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Alpentour in Laax-Salums  21. – 28. Juni 2008

Als wir (Mude, Nalden, Dirk und ich) uns an diesem sonnigen Samstagmorgen in Altburg treffen, lässt sich bereits erahnen, dass es an diesem Tag ziemlich heiß werden wird. Auf dem Weg zu unserer Verabredung mit Teddy an der Autobahnraststätte Neckarburg überholen wir Scherry, der mit dem Auto nach Laax fährt. Aufgrund des sommerlichen Wetters haben wir uns für die schnellste Strecke entschieden und die führt uns hauptsächlich über die Autobahn. Auf der A81 geht es weiter Richtung Singen – Winterthur – St. Gallen – Chur. Bei Reichenau verlassen wir die Autobahn und fahren    die letzten 15 km bis zum Ziel über die Landstraße. Als wir gegen halbzwei die gemietete Ferienwohnung in Laax-Salums erreichen, erwartet uns Scherry bereits. Da wir schon im Jahr 2000 unsere Alpentour in dieser Ferienwohnung verbracht haben, sind wir mit den Räumlichkeiten schnell wieder vertraut. Und auch an den großen Südwest-Balkon, der sich hervorragend zum plaudern an lauen Abenden und zum Klamotten trocknen eignet, können wir uns noch gut erinnern. Nachdem wir unser Gepäck ausgepackt, die Betten bezogen und uns ein wenig ausgeruht haben, decken wir uns in einem Supermarkt mit den wichtigsten Lebensmitteln fürs Wochenende ein. Da Scherry nicht bei unseren Motorrad-Touren mitfahren kann, sich aber gerne mit dem Werfen von Pfeilen beschäftigt, hat er sein Dart-Equipment mitgebracht. Dies hat er ruckzuck aufgebaut und zu unserer aller Verfügung gestellt. Was an diesem und den folgenden Abenden auch gerne in Anspruch genommen wird.

Natürlich darf an unserem ersten Alpentour-Abend die obligatorische Spaghetti-Orgie nicht fehlen. Nach dem ausgiebigen Mahl machen wir einen Verdauungsspaziergang und erkunden die nähere Umgebung.

Am Sonntag brechen wir nach einem gemütlichen Frühstück zu unserer ersten Tour auf. Sie führt über Ilanz die Rheinschlucht entlang – Rhäzüns – Thusis – Tiefencastel – Albulapass – St. Moritz – Silvaplana – Julierpass und Chur nach Flims. Dort lassen wir uns ein erfrischendes Eis schmecken, bevor wir zurück zur Ferienwohnung fahren (Gesamtstrecke ca. 250 km).

Am Montag fahren wir über Disentis – Oberalppass – Andermatt – Furkapass – Grimselpass – Innertkirchen – Sustenpass – Wassen – Andermatt – Oberalppass – Disentis – Laax (Gesamtstrecke ca. 270 km). Die kurvenreichen Passstraßen haben schon einen gewissen Spassfaktor, um nicht zu sagen „Suchtpotential“. Da es in den Tälern mit bis zu 34° in der Motorradkluft kaum auszuhalten ist, legen wir unsere Pausen fast ausschließlich auf die Passhöhen. Trotzdem sind wir abends ganz schön erschlagen von der Hitze. Ein kräftiges Gewitter sorgt für die dringend nötige Abkühlung.

Am Dienstagmorgen ist Rafting angesagt. Bereits am Samstag haben wir in einem Prospekt der Touristik-Info, das in der Ferienwohnung ausliegt, entdeckt, dass in Ilanz Rafting angeboten wird. Telefonisch konnten wir noch kurzfristig einen Termin für den heutigen Dienstag buchen. Außerdem ist heute Mudes Heimreisetag. Er wäre gerne noch mit uns zum Raften gegangen. Da er jedoch schon mit einer Erkältung angereist ist und seine Stimme sich mittlerweile wie eine rostige Gießkanne anhört, will er kein Risiko eingehen. Pünktlich um halbzehn fahren wir bei dem Rafting-Unternehmen vor. Dort bekommen wir die nötige Schutzkleidung und eine Einweisung für das bevorstehende Abenteuer. Dann geht’s los – mit dem Schlauchboot auf dem Vorderrhein durch die Rheinschlucht nach Reichenau. Mit etwa 20 km ist dies die längste Rafting-Strecke Europas. Nach den Kommandos unseres Guides paddeln wir mit aller Kraft, um den größtmöglichen Spass bei den zahlreichen Stromschnellen zu erzielen. Als wir eine Stromschnelle nicht perfekt erwischen, werden Nalden, Teddy und ich aus dem Boot katapultiert. Das geht so schnell, dass wir uns nicht mehr rechtzeitig festhalten können. Durch die Schwimmwesten kommen wir zwar schnell wieder an die Wasseroberfläche, aber das 8 Grad kalte Wasser lässt uns fast den Atem stocken. Schnell sind wir wieder ins Boot gezogen und es geht weiter flussabwärts. Während wir etwas ruhigere Gewässerabschnitte durchpaddeln, machen wir ein wenig „sightseeing“. Unser Guide zeigt uns einige Höhlen am Fusse der 300 m hohen Felswänden der Schlucht, zahlreiche in den Vorderrhein einfließende Bergbäche (so lässt sich auch das eiskalte Wasser erklären) und Hochwassermarken aus den letzten Jahrzehnten. Außerdem macht er uns auf den Mauersegler aufmerksam, den wir am Donnerstag noch per pedes erklimmen werden. An einer Stromschnelle werden von uns Fotos geschossen, die wir dann zugeschickt bekommen. Am Ausstieg haben wir die Möglichkeit zum Duschen und bekommen ein kleines Vesper und Getränke. Anschließend nimmt uns die Crew im Auto mit zurück nach Ilanz, wo wir im Firmengelände unsere Motorräder untergestellt haben. Das Ganze war eine Riesengaudi und wir würden es jederzeit noch mal machen.

Abends besucht uns ein Pärchen aus Chur, das Scherry in einem Dartforum im Internet kennen gelernt hat. Beim gemeinsamen Käsefondue erfahren wir, dass dies eigentlich ein klassisches Winter-Essen ist und das Kirschwasser nicht nur in den Topf, sondern auch auf den Tisch gehört. Wertvolle Tipps fürs nächste Mal. Nach dem Essen ist gemeinsames Dartspielen angesagt.

Am Mittwoch wollen wir der Empfehlung unseres Rafting-Guides folgen, das Safien- und das Valser Tal anzuschauen. Wir fahren über Reichenau in das Safiental, dessen kurviger Straßenverlauf anfangs noch richtig Spass macht. Aber schon nach den ersten Kilometern beginnen Straßenbauarbeiten und die Straße besteht nur noch aus Schotter und Sand. Nachdem wir nach etlichen Kilometern erst die Hälfte des Tals geschafft haben und sich keine Besserung des Straßenbelags andeutet, beschließen wir umzukehren. Unsere Maschinen sehen aus wie nach einer Motocross-Session. Über Versam und Ilanz fahren wir dann in das Valser Tal. Ab Vals wird die Straße etwas enger und weist viele Schlaglöcher und Flickstellen auf. Aber nach dem Safiental sind wir ja nicht mehr so anspruchsvoll. Wenige Kilometer vor dem Ende der Straße befindet sich ein einspuriger, schlecht beleuchteter Tunnel mit Ampelregelung. Da es in seinem Inneren ziemlich nass ist und das Wasser von oben herabtropft, ist der Boden recht glitschig. Die Straße endet in ca. 1900 m Höhe in einem Parkplatz. Hier weht ein kräftiger Wind, der nach der brütenden Hitze im Tal für eine angenehme Abkühlung sorgt. Von hier aus bietet sich uns ein fantastischer Ausblick auf die umliegenden Berge, die vier Kilometer lange Zervreila-Staumauer und den Stausee, an dessen Grund das überflutete Dorf Zervreila liegt. Auf der Rückfahrt halten wir an der Staumauer an und laufen ein Stück auf ihr entlang, um einen Blick auf das 151 m tiefer am Fusse der Staumauer liegende Zervreilakraftwerk zu werfen. Kurz vor Laax befreien wir an einer Tankstelle unsere Mopeds mit dem Dampfstrahlgerät von ihrer Motocross-Optik (Gesamtstrecke ca. 120 km).

Abends schauen wir uns beim Public-Viewing in Laax-Falera auf der Großbild-Leinwand das EM-Halbfinale an, in dem Jogis Jungs die Türkei aus dem Turnier kicken. Hierfür ist einfach ein Zelt über die Durchgangsstraße aufgebaut. Tagsüber kann man durchfahren und während der EM-Spiele wird die Straße gesperrt und die Leinwand und Biertisch-Garnituren aufgestellt. Unter den anwesenden Fussball-Fans (überwiegend für Deutschland) herrscht eine fröhliche und harmonische Stimmung.

Da am Donnerstagmorgen die Berge nebelverhangen sind, beschliessen wir, eine Wanderung zu unternehmen. Nach einem Blick in ein Wanderprospekt steht schnell fest, dass die Aussichtsplattform „Il Spir“ (wegen seiner Form auch Mauersegler genannt) unser Ziel sein wird. Diese haben wir bereits am Dienstag beim Raften vom Boot aus gesehen. Der ausgeschilderte Wanderweg führt hauptsächlich durch den Wald; bergauf und bergab. Vorbei an massenhaft Waldbeeren und wilden Orchideen. Zahlreiche Wurzeln bilden unwillkommene Stolperfallen. Auf einigen Metern Länge ist der Weg von herabgefallenem Geröll verschüttet, sodass wir auf den losen Steinen balancieren müssen. Rechts vom Weg fällt die Felswand senkrecht 300 m tief ab in die Schlucht und es gibt nichts, an dem man sich festhalten könnte. Jetzt bloß nicht nach unten schauen und bloß nicht dran denken, was wäre wenn … ? Eine echte Herausforderung – vor allem für die Nichtschwindelfreien unter uns. Als wir um die Mittagszeit die 380 m über dem Rheintal schwebende Aussichtsplattform erreichen, hat sich der Nebel bereits aufgelöst und kein Wölkchen trübt mehr den strahlend blauen Himmel. Der 180° Panoramablick, den wir von hier aus genießen können, ist wirklich eindrucksvoll. Die Gebäude, der Vorderrhein und die Eisenbahnlinie, die an seinem Ufer entlangführt – das alles erinnert an eine Modelleisenbahn. Da wir auf dem Rückweg das Geröllfeld umgehen wollen, suchen wir uns unter den zig ausgeschilderten Wanderstrecken eine aus, die in eine ähnliche Richtung führt. Auch diese Strecke weist steile Anstiege auf wurzelbepackten Trampelpfaden auf, jedoch können wir mehrheitlich auf geschotterten Wegen laufen. Mittlerweile brennt der Planet gnadenlos vom Firmament. Und trotz dem, dass auch dieser Weg mehrheitlich durch den Wald führt, rinnt uns der Schweiß in den Kragen. Von einem Höhenweg aus haben wir einen tollen Blick auf den als Freibad genutzten Caumasee in Flims, in dem wir bei unserer Alpentour im Jahr 2000 ein kühles Bad genommen haben. Als wir nach der 5stündigen Wanderung wieder an unserer Ferienwohnung ankommen, spüren wir alle eine gewisse Erschöpfung in unseren wanderungeübten Beinen und legen diese erstmal hoch.

Am späten Nachmittag zieht dann ein starkes Gewitter auf, das mehrere Stunden über der Region wütet und das Tal und die Berge in Nebel hüllt. Bevor wir uns gemeinsam das EM-Halbfinale Spanien gegen Russland anschauen, werden noch Tipps über den Ausgang des Spiels abgegeben. Nach dem Spiel wird klar, dass alle mit ihrer Einschätzung daneben gelegen haben.

Der Freitagmorgen beginnt erneut mit Nebel, der sich jedoch nach dem Frühstück schon aufgelöst hat. So starten wir zu unserer letzten Tour vor der Heimreise am nächsten Tag. Wir fahren über Reichenau zur Viamala-Schlucht. Hier machen wir einen Stop und schauen uns die Schlucht von oben an. Sie ist zwar über zahlreiche Stufen und enge Wege begehbar, da es aber schon wieder recht warm ist, wollen wir uns dies mit unserer Motorrad-Kleidung ersparen. Weiter geht es zum San Bernardino. Auf dessen Passhöhe machen wir erstmal eine Pause. Der Passaufstieg in Richtung Süden mit seinen zahlreichen engen Kurven ist doch ganz schön anstrengend. Hier beobachten wir die Fischschwärme, die wir in einem Bach entdecken. Als wir wieder ins Tal und weiter in Richtung Süden fahren, überfällt uns die schweißtreibende Hitze. So durchfahren wir Lumino und Biasca schnellstmöglich, um in der angenehmen Höhenluft des Lukmanierpasses eine ausgedehnte Siesta einzulegen. Über Disentis geht es dann wieder zurück nach Laax (Gesamtstrecke ca. 230 km).

Am Samstag sind alle relativ früh wach und wir frühstücken schon vor 8 Uhr. Danach packen wir unsere sieben Sachen, bringen den Müll zum Container und die Wohnung auf Vordermann. Nach der Wohnungsabnahme und Abrechnung durch die Vermieter, treten wir dann gegen 10 Uhr die Heimreise an. Glücklicherweise ist es heute nicht so heiß wie die letzten Tage; zum Motorradfahren genau richtig. Da auf der Autobahn relativ wenig Verkehr herrscht und wir deshalb recht zügig vorankommen, fahren wir bei Geisingen von der Autobahn ab und legen eine gemütliche Mittagspause ein. Im Biergarten einer Gaststätte finden wir ein schattiges Plätzchen, von dem aus wir unsere Mopeds mit dem Gepäck im Auge behalten können. Frisch gestärkt düsen wir dann die letzten Kilometer in Richtung Heimat.

Zusammenfassend war unsere diesjährige Alpentour sehr harmonisch und kurzweilig. Die Wanderung und das Raften waren eine interessante und spannende Abwechslung zu den Motorradtouren. Und selbst Scherry, der ja leider kaum an unseren Aktivitäten teilnehmen konnte, beklagte sich nie über Langeweile. Das durchweg gute Wetter tat sein übriges zu einem gelungenen Urlaub. Da die Lebenshaltungskosten in der Schweiz bekanntlich ja recht hoch sind, haben wir uns ausschließlich selbst versorgt. Trotzdem oder gerade deswegen sind wir alle wieder gesund und munter zu Hause angekommen. Dasselbe gilt auch für unsere Maschinen. Das Einzige was in der Schweiz etwas günstiger ist – und das kam uns sehr entgegen - ist der Sprit. Was uns ebenfalls entgegenkam, war, dass die Polizeipräsenz überschaubar war. Die waren wohl alle zur Tour de Suisse und zur Fussball-EM abgeordnet worden.

Abschließend noch feindschaftliche Grüße an die „rode Lüüs“, die uns ganz schön unsere Klamotten versaut haben.

Biggi (Schriftführerin)

Reisebericht

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